Andrea Leonardo in Herfølge

Andrea Leonardo in Herfølge

"Wieso genau Dänemark?"; Dies war wohl die mir am häufigsten gestellte Frage im letzten halben Jahr.

Und ich gebe ja zu, es ist schon eher etwas aussergewöhnlich, dass jemand einen Austausch hier im Norden Europas macht. Nun um die Frage zu beantworten. Ich wollte schon seit einer längeren Zeit eine nordische Sprache lernen. Um ehrlich zu sein, wollte ich zuerst nach Schweden, danach hat sich aber etwas in Dänemark ergeben.

Viele machen ja einen Austausch in einem englisch sprachigen Land, aber ich dachte mir einfach, es ist viel besser eine neue Sprache zu lernen und dabei aber auch mein Englisch zu verbessern. Denn logischerweise ist am Anfang Englisch die einzige Möglichkeit sich zu verständigen.

In Dänemark kann man seinen Platz des Austausches nicht aussuchen. Ich hoffte einfach sehr, dass ich auf die Insel komme, auf welcher auch Kopenhagen liegt (Sjælland). Denn ich hörte so einiges, dass es auf der anderen Seite (Jylland) eher etwas langweilig sein soll. Dies stimmt aber nicht, wie ich dann von anderen Austausch-Schülern erfahren habe.

Ungefähr einen Monat vor dem Abreisetag bekam ich dann die Informationen von meiner Gastfamilie. Glück gehabt, sie leben nur ungefähr 40 Minuten von Kopenhagen entfernt! Die Familie machte einen sehr sehr netten Eindruck – Ein Pärchen mit 3 Kindern. Sofort schrieb ich ihnen und sie wurden mir mit jedem Mail sympathischer. Ich fühlte mich schnell willkommen und freute mich, sie endlich kennen zu lernen. Natürlich gab es auch Tage, an denen ich das ganze Projekt in Frage gestellt habe, aber alles in allem freute ich mich von Tag zu Tag mehr.

Am 6. Januar 2017 begann mein Abenteuer dann endlich. Im Flieger sitzend dachte ich dann noch einmal; War es wirklich eine gute Entscheidung? Diese Frage hat sich dann aber schnell beantwortet, als ich am Abend bei meiner neuen Familie eingetroffen bin.

Die ersten paar Wochen gingen wie im nichts vorbei, da so viel neues geschah. Manchmal war ich am Freitagabend so müde, dass ich beinahe beim Essen einschlief. Die neue Sprache war natürlich auch ein Grund dafür.

Der erste Schultag war sehr aufregend, da ich in eine Klasse komme, in welcher ich niemanden kenne. Ich kam also in die Klasse und alle schauten mich an. Anscheinend war ich etwas spät dran, denn alle sassen schon an ihren Plätzen. Meine erste Lektion in Dänisch war Physik. Nach dieser Lektion habe ich die Hoffnung, Dänisch zu lernen, schon fast aufgegeben.

Die Schule war von der Grösse her (mit ungefähr 1000 Schülern) ziemlich ähnlich, wie die Schule, welche ich in der Schweiz besuchte. In der Schule gab es einen grossen Unterschied, welcher mir sofort auffiel. Das ganze Schulsystem ist viel gelassener. Natürlich müssen die Schüler auch lernen und all das, aber irgendwie ist es einfach viel entspannter.

Nach ungefähr 3 Wochen begann ich, einen Dänisch Kurs in der Schule zu besuchen. Dort lernte ich andere Austausch Schüler/innen von der ganzen Welt kennen. Es war immer wieder amüsant, zusammen mit all denen Dänisch zu lernen.

Meine Familie war sehr bemüht, mir Dänisch beizubringen. Jeden Abend "musste" ich ein Kinderbuch auf Dänisch vorlesen und an allen Möbeln waren Post-it Zettel mit dem dänischen Wort. Wenn es auch am Anfang nicht grad so scheinen mag, nach einem Monat konnte ich immerhin schon ganz wenig verstehen, von dem was sie sagten. Nach weiterer Zeit dann konnte ich plötzlich mehr und mehr verstehen. Es fühlte sich sehr gut an, so ziemlich alles zu verstehen und dann auch mitzureden (halt einfach in Englisch).

Nach 3 Monaten war dann leider Schluss mit Englisch reden. Eines Abends sagten sie: "Ab Morgen können wir kein Englisch mehr verstehen."

Zuerst war ich natürlich nicht so glücklich darüber, aber im Nachhinein muss ich sagen, dass es sehr gut war. Denn nur so lernt man, die Sprache auch zu sprechen.

Mit meiner neuen Familie unternahm ich sehr viel. Wir waren oft auf Familienbesuchen, Geburtstagen oder auch einfach Familienausflügen. Schnell lernte ich die ganzen Verwandten kennen und auch diese haben mich herzlich willkommen geheissen.

Nach einem Monat in Dänemark ging ich mit meiner Familie bereits einmal in die Ferien – nach Portugal. Dies hat auch sehr geholfen, mit meiner Familie etwas näher zusammen zu kommen.

Geschwister in einer Familie zu haben hilft sehr. Denn es ist viel einfacher mit seinen Geschwistern Dänisch zu reden, als mit Erwachsenen. Auch war so immer etwas los – der Jüngste war erst 1 Jahr alt.

Mein kleiner Bruder sagte meiner Gastmutter schon bald, dass sie mich adoptieren sollte... dies fand ich unglaublich süss und machte mich auch glücklich, denn so bestätigte sich, dass sie mich gerne hier haben.

In meiner Freizeit habe ich oft mit anderen Austausch Schüler Sport getrieben, oder war mit ihnen in Kopenhagen. Ab und zu habe ich auch etwas mit Dänischen Freunden gemacht, aber es war einfacher mit den Austausch Schülern, da diese in der gleichen Situation waren. Dennoch ist es auch sehr wichtig, etwas mit den Menschen aus dem Land zu unternehmen. Denn nur so lernt man die Kultur richtig kennen.

Meine Entscheidung, einen Austausch zu machen habe ich nie bereut. Natürlich gab es ab und zu eine Stunde, wo ich dachte, es wäre schön jetzt in der Schweiz zu sein. Aber länger als ein paar Stunden habe ich dies nie gedacht.

Ich würde es sofort wieder machen und denke auch, dass es für mich nicht das letzte solche Projekt war. Don't dream it, do it! Andrea